Michael Peinkofer

Autor und Journalist


Unter dieser Rubrik gibt es Hintergrundstorys und Infos zur Entstehung von Roman- und anderen Projekten …

 

WEHENDE FAHNEN

Wenn das Lektorat eines Romans – also die Überarbeitung von Seiten des Verlags – abgeschlossen ist, wird das Buch einschließlich sämtlicher enthaltener Bilder und Zeichnungen gesetzt, d.h. mittels Computer a, Bildschirm aufgebaut. Der Probeausdruck dieses Aufbaus, der dann schon zeigt, wie die Buchseitenspäter einmal aussehen werden, wird nach alter Druckertradition „Fahne“ genannt.

Anhand dieser Fahnen werden die letzten Korrekturen am Buch vorgenommen, ehe es in den Duck geht. Auch der Autor bekommt in der Regel die Fahnen entweder in digitaler Form als Datei oder als Ausdruck zugeschickt, um seine letzten Anmerkungen und Verbesserungen durchzugeben. Außerdem werden in dieser Phase überschüssige Zeilen entfernt, die isoliert auf den Seiten stehen und den Lesefluss stören würden.

Für mich ist die Fahne Anlass zur dritten und letzten Durchsicht meines Manuskripts – die beiden anderen habe ich vor der Abgabe an den Verlag und nach erfolgtem Lektorat vorgenommen. Bei den Büchern für erwachsene Leser geht es hier vor allem um formale Überprüfungen. Bei Kinderbüchern und besonders bei den STERNENRITTERN muss auch geprüft werden, ob die Bilder an den richtigen Stellen stehen und z.B. nichts zu früh verraten, aber eben auch nicht zu spät im Buch erfolgen, damit jeder Band ein flüssiges Abenteuer und aufregendes Leseerlebnis wird.

Dieser Tage liegen wieder STERNENRITTER-Fahnen auf meinem Arbeitstisch. Aber ich würde natürlich nie verraten, um welchen Band es sich handelt 😉

 

WIE EIN COVER ENTSTEHT

Welches Cover ein Roman zieren wird, ist natürlich eine wichtige Entscheidung – deshalb wird sie in aller Regel auch nicht von einer Person allein getroffen und meist in Abstimmung zwischen Verlag und Autor. Manchmal ist es so, dass ich während der Arbeit an einem Buch noch gar keine Vorstellung vom Cover habe. Bei TIEFER ZORN jedoch, dem zweiten Band der LEGENDEN VON ASTRAY, hatten wir uns schon früh auf ein Motiv geeinigt. Da ein guter Teil der Handlung in der sturmumtosten Küstenstadt Skaradag spielt,  sollte sie auch auf dem Cover zu sehen sein. Im Vordergrund wie schon bei Band 1 einer der Protagonisten der Reihe – diesmal die Diebin/Sängerin Bray. Auch die Atmosphäre des Bildes mit eher düsterer, blaugrüner Farbgebung stand schon früh fest.

Eine Beschreibung des Motivs, das das Buch wieder panoramaartig umlaufen sollte, wurde an die in München ansässige Agentur Guter Punkt gegeben, deren kreative Köpfe schon viele meiner Fantasy-Romane gestaltet haben. Mit dem Zeichnen des Covers wurde der rumänische Künstler Mihai Radu beauftragt – ein großartiges Talent, dessen breites Portfolio seine Vielseitigkeit zeigt. Die unterschiedlichen Stadien, die Mihais Artwork für das Cover von TIEFER ZORN durchlaufen hat, sind unten zu sehen: Nachdem es zuerst darum ging, die Bildaufteilung skizzenhaft zu erfassen, diente der tweite Entwurf bereits dem Farbdesign und der Atmosphäre. Während die Farbgebung bereits im ersten Anlauf überzeugte, kamen wir zu dem Schluss, dass Regen und eine sturmgepeitschte See sowohl dem Schauplatz als auch der Stimmung im Roman noch besser gerecht werden würden – in einem dritten Gestaltungsschritt hat Mihai diese Wünsche berücksichtigt und zu dem auch eine Variante von Bray vorgelegt. Diese dritte Version diente als Entscheidungsgrundlage für die vierte Stufe – nämlich das endgültige Cover mit detailliert ausgearbeiteten Hintergründen. Das Ergebnis, so finde ich, ist wirklich gelungen und fängt nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die epische Breite der Geschichte ein – und das buchstäblich.

Danke, lieber Mihai, für diese wunderbare Arbeit!